Zur Bedeutung

von Bildern im Bildungsprozeß Erwachsener

Analyse des Produktionsgeschehens einer
Videoproduktion von Laien

Diplomarbeit
1994

Universität Bremen
Studiengang Weiterbildung

von
Karin Mühlenberg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

EINLEITUNG

Wie der Titel dieser Arbeit schon erahnen läßt, so wird auf den folgenden Seiten mit den Untersuchungsgegenständen Bildung, Bilder und Videoproduktion ein umfassendes Untersuchungsfeld in Angriff genommen. Es interessieren mich dabei die Zusammenhänge, die zwischen Bildung und Bildern bestehen. Es interessiert mich, von dem konkreten Beispiel einer Videoproduktion ausgehend, inwieweit Bilder an einem individuellen Bildungsprozeß beteiligt sind und, inwieweit diese Erkenntnisse über Bilder einer Videoproduktion auf Bilder generell übertragbar sind.

Ich frage nicht ob, sondern welche Zusammenhänge bestehen. Warum stelle ich die Frage nach den Zusammenhängen von Bildung, Bildern und Videoproduktion? Da ein Zusammenhang zwischen Bildung und Bildern besteht, erscheint es sinnvoll, die Erkenntnisse über den Zusammenhang in organisierten Bildungsmaßnahmen aufzugreifen.

Bildern wird als eigenständigem Bildungsgegenstand kaum Beachtung geschenkt - zumindest sind mir trotz intensiver Literaturrecherchen kaum Quellen bekannt geworden. Dennoch spreche ich von Zusammenhängen zwischen Bildern und Bildung und gehe noch einen Schritt weiter und sage, daß Bilder im Bildungsprozeß von Bedeutung sind. Ich habe Anlaß zu der Vermutung, daß Bilder, die von einem Menschen (Individuum) gesehen (visuell wahrgenommen) werden, etwas in diesem Individuum auslösen.

Dieses 'etwas', das ausgelöst wird, scheint Merkmale von Bildung zu enthalten. Damit frage ich nicht, was ein Individuum von Bildern lernen kann, d.h. wie Bilder in einem organisierten Lernprozeß eingesetzt werden können. Mich interessiert vielmehr der aktivierende Charakter für das Bewußtsein während der eigenständigen Auseinandersetzung mit Bildern.

Dieser Charakter scheint dadurch zutage zu treten, daß bei dem Individuum aufgrund der visuellen Wahrnehmung bewußte und affektive Bereiche beteiligt werden und, daß aus dem Gesehenen die eigene Gestaltung von Bildern erwachsen kann. Die bewußte Auseinandersetzung ist ein Merkmal von Bildung und kann auch unabhängig von intendiertem Lernen geschehen.

Damit ist zum einen das individuelle Geschehen angesprochen, das mit der bewußten Auseinandersetzung einhergeht. Zum anderen geht die Frage nach der Bedeutung von Bildern im Bildungsprozeß über die individuelle Auseinandersetzung hinaus und setzt an dem gesellschaftlichen Kontext an, in dem Bildung geschieht und in dem sich das Individuum befindet.

Ein anderes Merkmal von Bildung ist die individuelle Auseinandersetzung im gesellschaftlichen Kontext. Bilder sind diesem Kontext entnommen. Der Frage danach, welche Bedeutung Bilder generell im Bildungsprozeß einnehmen, nähere ich mich exemplarisch, indem ich mich mit Bildern beschäftige, die im Zuge einer Videoproduktion entstanden sind.

Zu diesem Zweck interviewte ich aktive Laien-VideoproduzentInnen. Sie sprachen über ihre inneren Auseinandersetzungsprozesse während des Produktionsgeschehens. Ihre Aussagen werden im Hinblick auf die Fragestellung analysiert, inwieweit bei diesen Auseinandersetzungsprozessen Zusammenhänge zwischen Bildern und Bildung bestehen und welche Bedeutung Bilder deshalb generell in Bildung einnehmen können.

In diesem Kontext richte ich mein Augenmerk insbesondere auf die historische Dimension dieser Untersuchungsbereiche, die die Einbindung der Entwicklungsmöglichkeiten des Individuums im gesellschaftlichen Entwicklungsprozeß hervorhebt. Hier werden die Bildungsgeschehnisse ansatzweise aus der historischen, gesellschaftlichen und individuellen Perspektive betrachtet. Die Bildungsgeschehnisse sind eng mit den gesellschaftlichen Entwicklungen verwoben.

Diese Entwicklungen sind nicht losgelöst von der Einflußnahme des Geschlechts auf Bildung zu verstehen, darum greife ich einige Einflußmerkmale daraus auf:

Ich beginne im 1. Kapitel mit der theoretischen Auseinandersetzung der Begriffe 'Bildung' und 'Bilder'. Ich stelle ihre Merkmale heraus, auf die ich in den weiteren Ausführungen zurückgreifen werde. Über Bildung und Bilder wurde seit Jahrhunderten nachgedacht. Videoproduktion ist dagegen im historischen Kontext ein sehr junges Betätigungsfeld, insbesondere in der Pädagogik, dem in dieser Arbeit deshalb in Kapitel 2 ausführlich Raum gegeben wird. Dort stelle ich die Grundlagen der Videoproduktion und den Rahmen dieses Produktionsgeschehens vor und lege Hintergründe des konkreten Produktionsgeschehens dar.

Damit nähere ich mich dem praktischen Teil von Bildung. In Kapitel 3 kommen aktive Laien-ProduzentInnen zu Wort und stellen ihre persönliche Auseinandersetzungen im Produktionsgeschehen dar. Die individuellen Aussagen ordne ich nach innewohneneden Merkmalen und fasse sie in Kategorien zusammen. Sie werden in Kapitel 4 im Vergleich mit den Merkmalen von Bildung ausgewertet. In Kapitel 5 gebe ich einen abschließenden Ausblick auf eine Fortführung der Video-Bildungsarbeit..

 
 

 

Die gesamte Diplomarbeit kann bei mir für 20 € bestellt werden.